„Watt de Buer nich kennt, dat fritt he nich“

Marketing auf dem Lande folgt anderen Gesetzen als in der Großstadt.
Eine besondere Herausforderung stellt eine gewisse Gruppe dar. Ich nenne sie die „Tradition- und Wertegruppe“, abgekürzt die TuW´s.
Zumeist bestehend aus Altgesellen im handwerklichen Familienbetrieb,
Vereinen und alteingesessenen Bauern. Die TuW´s stellen das Gros der
Bevölkerung und bilden, zusammen mit Zugereisten, und – in unserem Fall – dem nicht geringen Anteil an Künstlern, das Dorf.

Willkommen in Worpswede

Man hält an seiner künstlerischen Vorgeschichte fest. Man hat auch Traditionen und Werte. Man stellt was dar. Die einzelnen, von mir aufgezählten Gruppen wissen voneinander. Es besteht jedoch im Allgemeinen kein gesteigertes Interesse einer Interaktion.

Wir selbst sind Mitglieder in Vereinen, haben auch Kontakt zu diversen Künstlern und außerdem auch viele Kunden im Handwerk. Hinzu
kommen die Bauern (Wir wohnen etwas außerhalb).

Die oberste Devise

Sie lautet: Du musst nicht jedem gefallen, doch du tust besser daran, dich mit den verschiedenen Gruppen gut zu stellen. Dabei darfst du auf jeden Fall deine Haltung bewahren und dein Produkt klar definieren. Denn jeder weiß gern, woran er ist. Versuch auf keinen Fall, dich als „Intellektueller Designer“ zu verkaufen.
Ein „kreativer Handwerker im Bereich Werbung“ tut es auch.

Wischi–Waschi ist nicht

Sei echt und ruhig etwas gerade heraus. Das schätzt man in dörflichen Gefilden. Beziehe lieber Stellung und das ehrlich. Die Spatzen pfeifen die Wahrheit doch in Windeseile von den Dächern. Nicht selten zwitschern sich, schneller als es dir lieb ist, Unwahrheiten dazu.

Wie schon gesagt, stellen die TuW´s einen nicht unerheblichen Teil der
Anwohner. Traditionen und Werte sind etwas schönes. Traditionen und Werte finden wir gut. Sie sind wichtig, damit du weißt wo du herkommst und wo du hingehörst. Geben einen Rahmen vor. Bieten Sicherheit. Das weiß ich, bin ich doch in einem „ Kuhdorf“ aufgewachsen – Deich, Schafe, Wiesen, Kühe, Kirche, Vereine, Bauern und Nachbarschaft.

Eine besondere Herausforderung fürs Marketing

Marketing lebt von Sichtbarkeit. Sichtbarkeit von Innovation.
Der absoluten Bereitschaft sich und sein Unternehmen zu reflektieren
und offen zu bleiben für Neues. Neue Ideen. Neue Farben. Neue Formen.
Neue Gestaltung. Neue Medien …neue Werbestrategien.
Da liegt die Krux, denn dies alles ist zu viel, zu viel neues für den TuW.

Doch:
Die Werbewelt ist stets im Wandel und deine Mitstreiter warten nicht auf dich.

Alte Kamellen

Wie oft hören wir die Sätze:
„ Ach – das ist doch noch gut,“ oder
„Das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben.“

Los geht´s

Mit Geduld und Fingerspitzengefühl nähert man sich einem TuW.
Ab jetzt greift das „Prinzip Haflinger“. Eigensinnig und beharrlich weiß der Haflinger genau in welche Richtung es gehen soll und was er fressen möchte. Gelingt es dir aber, ihn von dir und deinem Vorhaben zu überzeugen, bekommst du mit ihm einen treuen Freund für´s Leben.

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem TuW.
Füttere ihn nur mit dem Futter, welches ihm gefällt. Menge und Sorte sind hierbei entscheidend. Häppchenweise portioniert, gewöhnst du ihn auf diese Weise sogar an eine erste behutsame Umstellung. Von selbst wird er merken, dass die Qualität (Futter/Werbemittel) durch die Neuerung gestiegen ist. Durch eine derart taktische Vorgehensweise bekommt er sogar das Gefühl, er selbst hätte die Änderungen herbeigeführt, ja gewollt so entschieden.
BINGO!

Vertrauensgrundlage

Durch Zwang erreicht man hingegen gar nichts. Ein zu schnell gewolltes Aufbrechen gewohnter Strukturen erzeugt Gegendruck, bis hin zur völligen Ablehnung. Nimm dir Zeit. Geh mit gutem Beispiel voran. Präsentiere bereits erfolgreich umgesetzte Aufträge, mit denen dein Gegenüber etwas anfangen kann. Am liebsten mit ähnlichem Schwerpunkt. So lässt sich ein direkter Vorher/Nachhervergleich sichtbar machen. Visualisieren ist immer eine sehr gute Methode, etwas zu verdeutlichen. So erklärt man Strategien und Zielsetzungen.

Das nimmt den Schrecken vorm Unbekannten. Das Unbekannte macht vielen Angst und führt ebenfalls zur Verweigerung. Wiederholungen in der Ansprache und gutes Zureden hingegen machen Mut und lassen verstehen. Erst, wenn man die selbe Sprache spricht, kann eine Vertrauensgrundlage geschaffen werden. Sie ist die Basis für die weitere zielführende Zusammenarbeit.

Gemeinsam in die Zukunft

Der Anfang wäre also gemacht. Bitte weiter daran denken, nicht zu überfordern. Die persönliche Ebene ist und bleibt der entscheidende Nährboden, aus dem fortan die Saat wächst. Schließlich sind wir für Dich und Dein Unternehmen da. Kreativ. Innovativ. Frisch.

Ich bedanke mich bei einem ehemaligem Nachbarn für das Nutzungsrecht seines Porträts und bei unseren heutigen Nachbarn für die Erlaubnis ihre Haflinger zu fotografieren und hier zu zeigen! Toll Leute, fühlt Euch gedrückt!